Dankbarkeit und Hoffnung

Meine Zeit im Haus Zueflucht neigt sich langsam dem Ende zu – ich blicke zurück auf eine Zeit lauter Entwicklung und Veränderung.

Besinne ich mich zurück auf diese vergangen Monate, erlebe ich erneut Gefühle der Freude, des Aufgehoben- und Aufgenommenseins, ich tauche noch einmal ein in bewegende und eindrucksvolle Geschichten, lasse unterschiedlichste Begegnungen Revue passieren, erinnere mich an Auseinandersetzung aber auch an Versöhnung, verliere mich in emotionsvollen Augenblicken und bin berührt von der familiären und herzlichen Stimmung hier. Auch wenn nicht jeder Tag Grosses und Erinnerungsstarkes mit sich brachte, so aber löste jeder Tag Gefühle der Dankbarkeit und der Hoffnung in mir aus.

Für die vergangene Zeit, für all jene erlebten Momente bin ich von Herzen dankbar – dankbar dafür Teil dieser kleinen Grossfamilie namens 'Zueflucht' gewesen zu sein...

Ich wünsche euch alles Gute, herzlichst

Nuria

Zeit für Besinnung

Alte Bezeichnungen für den Monat November sind Windmond, Wintermonat, Nebelung und Trauermonat. Im Kirchenjahr gilt er als ein Monat der Besinnung und des Gedenkens (an Allerheiligen, Allerseelen, Martinstag, Karneval, Buss- und Bettag, Totensonntag, Christkönigssonntag). Der November macht den Auftakt zur Adventszeit und wiederspiegelt sich in der Vorfreude auf Weihnachten. Auch wenn der vergangene Oktober bei uns bis in den November hinein nachklingt, steht der November nebst Kühle, Kargheit und Nebel für Wärme, für Gemeinschaft und fürs Miteinander. Wenn es am Abend um 17:00 Uhr langsam eindunkelt, ziehen sich die Menschen ganz generell in ihre eigenen vier Wände zurück, sehnen sich nach Wärme, nach aufgehoben und zugehörig sein. Solche Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche prägen auch im Haus Zueflucht die Stimmung während des Monats. Wo vorher Veränderung im Vordergrund stand, ist es jetzt Besinnlichkeit. Anlässe, wie Suppenausschenken am Christkönigsfest, Teilnahme am Feuerlauf und Sozialmarkt, Theaterbesuche, zusammen Guetzli-Backen etc. sind daher nebst dem Alltag im Hier und Jetzt wertvolle Chancen zur (Weiter-)Entwicklung des Gemeinschaftssinns und des Zugehörigkeitsgefühls als Teil von unserer kleinen Grossfamilie ´Haus Zueflucht´.

Ich wünsche allen von ganzem Herzen eine besinnliche Adventszeit.

Zeit für Veränderung

Die letzten Wochen sind wie feine weisse Wölkchen übers Haus Zueflucht gezogen… ganz friedlich und unspektakulär, so könnte man meinen. Guckt in dieser Zeit eine Aussenstehende bei uns herein, scheint sie keine grossen Veränderungen wahrzunehmen. Für uns aber, für jene die hier ein- und ausgehen, ist in den vergangenen zwei Monaten allerlei (Spektakuläres) geschehen.

Der Oktober, als zehnter Monat im Jahreszyklus, galt im Mittelalter als heiliger Monat, in dem man bevorzugte zu heiraten. In der heutigen Zeit steht das Tierkreiszeichen Waage für Harmonie; Harmonie in Begegnungen, ebenso wie die Harmonie der Formen, der Künste, der Architektur. Es ist eine Zeit, in der es darum geht grosse Gegensätze zu überbrücken und auch in schwierigen Angelegenheiten klare Entscheidungen zu treffen. Der begehbarere Weg ist manchmal jedoch der, der Entscheidungsunfähigkeit, konfliktvermeindende Scheinharmonie und Unverbindlichkeit. In einem Haus, in dem tagein tagaus bis zu 30 Personen aufeinandertreffen, ist das Finden von stimmiger und authentischer Harmonie eine besonders fordernde Aufgabe. Sie gelingt uns - mal besser und mal schlechter...

Zu Oktoberbeginn kamen teilweise 15-20 Besucher bei uns zum Mittagessen, wuschen oder wechselten ihre Kleider und duschten. Dies hiess gleichzeitig seitens der Bewohner viel Toleranz, seitens der Freiwilligen und des Teams viel Geduld, Ruhe und Zeit. Und dennoch ging's an manchen Tagen drunter und drüber. Prioritätensetzen war Priorität Nummer 1 und zeitgleich mussten wir uns alle immer wieder unseres inneren Gleichgewichts besinnen und den eigenen Energiefluss zurück ins Lot bringen. So wurde angepackt und umstrukturiert, um dem entstandenen Chaos entgegenzuwirken. Umstrukturierung wurde Strategie zur Lösung: Eine Woche lang widmeten wir uns ganz konkret der Ordnung. Im Aufenthaltsraum wurde das Notschlafbett neu eingerichtet, sodass ein zusätzlicher Schlafplatz entstand, es wurden neue Computerplätze (inkl. TV), neue Tische und Stühle aufgestellt und daraufhin mehr Platz für Gäste und Aufenthalt geschaffen, allerlei Reinigungsarbeiten wurden erledigt und nicht zuletzt schmucke Vorhänge montiert. Der Oktober brachte uns (auch wenn keine Hochzeit) reichlich Mut und Kraft anzupacken und zu verändern - in harmonischen und weniger harmonischen Stunden.

An dieser Stelle herzlichen Dank an alle jene die mitgeholfen haben und an die Spenderinnen und Spender, die uns immer wieder ganz vieles ermöglichen.

Kein Tag, wie jeder andere

Montag ist unser turbulentester Tag der Woche. Nicht selten fängt bereits m 8:00 Uhr früh der Betrieb hier im Haus Zueflucht an; erste Besuchende treffen ein, es wird geduscht, Kleider gewaschen, Bewohnende klopfen an die Bürotür sei es zum Erledigen von Telefonaten, zum Besprechen oder einfach zum Plaudern – kurzum: Der gemeinsame Alltag beginnt…

Oftmals heisst dies für uns sich auf Ungewissheit und Überraschungen einzulassen, bereit zu sein zu situativem Handeln und Verhandeln, Entscheidungen zu fällen und als kreative Querdenkender durch den Tag zu gehen. Heute also, ist es ein Montag, wie jeder andere auch. So glaubte ich...

Schon um 11:00 Uhr jedoch merke ich, dass es eben doch ein wenig anders wird. Die Dusche ist regelrecht in Beschlagnahm genommen, die Kaffeemaschine läuft ununterbrochen, `Hallo und Willkommen´ sind Teil jeden zweiten Satzes, hin und her laufen wir Treppe auf Treppe runter, da Neubesuchende auf zusätzliche Begleitung und Erklärungen angewiesen sind. Um 12:30 Uhr kehrt (endlich) Ruhe ein im Haus Zueflucht, denn es ist Mittagszeit. Überrascht ist hierbei niemand mehr, wenn jeder Stuhl am Tisch besetzt ist und rege zugleich heitere Stimmung herrscht. So wie der Morgen begann, geht der Nachmittag weiter…

Nach der Mittagspause befinde ich mich um 14 Uhr gen allen Erwartungen auf dem Weg zu Voegele Shoes. Unterwegs mit einem Obdachlosen verbringe ich den restlichen Tag beim Shoppen. Mit neuen Schuhen, lächelndem Gesicht und sehr dankbarer Gestik treffen wir eine Stunde später im Haus Zueflucht ein – bereit für ein Erinnerungsfoto.

Eine Erinnerung an keinen Tag, wie jeder andere.

Abschied und Neuanfang

Im vergangenen Monat ist vielerlei geschehen im Haus Zueflucht.

Nicht nur bei Bewohnerinnen und Bewohner heisst es oftmals ´Abschiednehmen (von altem) und Willkommenheissen (von neuem)´, sondern auch im Team ist dies immer wieder Teil der Realität. Erst kürzlich haben wir uns von der Praktikantin Monika und dem langjährigen Mitarbeiter Andreas verabschieden müssen – für sie beide, fürs Team und für Bewohnende hiess es Abschiednehmen und Gehenlassen. Wir wünschen Monika und Andreas viel Liebe auf ihrem weiteren Weg!

Solche Momente im Leben erscheinen uns prägend und schwierig, doch zumeist entschwinden sie im Verlauf der Zeit mehr wie mehr in den Hintergrund. Meist gewöhnt man sich an die veränderten Umstände, man passt sich an und lernt damit umzugehen. Denn Abschied ist zugleich Neubeginn – sei es ein Neubeginn an einem anderen Ort; einer anderen Arbeitsstelle, einem neuen Zuhause, seien es neue Begegnungen mit Menschen und deren Geschichten, sei es ein Begehen in Richtung neuen Lebensabschnittes. Für uns zwei Sozialpädagoginnen in Ausbildung heisst es heuer in diesem Sinne Ankommen und Niederlassen, für die Bewohner andererseits ist es ein Anpassen und Umgewöhnen.

Abschied und Neuanfang sind zwei Kontraste, die sich oft im gleichen Moment zeigen und Menschen dann und wann um ihre Balance bringen. Ein inneres Gleichgewicht muss wieder hergestellt werden, das Neuem Raum und Zeit gewährt. Und genau diese Balance, dünkt es mich, ist zurzeit Thematik hier im Haus Zueflucht – so sind Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Suche nach Gleichgewicht – ob in der eigenen Lebensthematik, im Tun und Sein in der Alltäglichkeit oder ob auch “nur“ im Spüren und Finden einer frischen Dynamik im Haus Zueflucht. Unser September eben; so steht er für ´Abschied und für Neuanfang´. Er steht für Chancen und Möglichkeiten. Für Entwicklung und Veränderung.

Auf den Spuren der Biene

Einen Morgen lang sind wir unterwegs von Bienenstock zu Bienenstock im nahgelegenen Thurgau. Und begeben uns zu dritt auf die Spuren der Biene…

Früh morgens ziehen wir los aufs Land, eine Reise in die Ungewissheit – eine Reise ins abenteuerliche Phänomen der Imkerei. Ich bin gespannt, denn es ist erst mein zweites Mal, dass ich mich ‚Auge in Auge‘ an die Biene herantraue. So tauche ich ein in die Faszination (und Stichgefahr) der Imkerei.

Check: Anzug an (alle Reissverschlüsse, Löcher oder sonstige Bienen-Zuschlupf-Möglichkeiten geprüft, verschlossen, darauf achtgegeben), nötige Utensilien im Anhänger verstaut, Zuckerwasser und präventives Vitaminmittel (aka Bienen-Fit) nachgefüllt und abgepackt. Voller Energie und Tatendrang ziehen wir hinaus aufs Feld. Denn heute steht das Füttern der ca. 25 Bienenstöcke zur Vorbereitung auf die Wintermonate auf dem Programm. Los geht’s!

Wir beginnen bei den Jüngsten, den Jungbienenstöcke, die just neben einem alten Schopf ihr Zuhause finden. Nach einem kurzen ‚Bienen-Trauma‘, welches uns einmal mehr daran erinnert, wie wichtig es ist ALLE potenziellen Einschlupflöcher regelrecht zu schliessen, folgen wir bepackt weiter dem Pfad in Richtung nächstes ‚Bienenhaus‘ (wie Neulinge, sowie ich, es wohl nennen mögen). Innert drei Stunden sind (fast) alle der 25 Bienenstöcke (hier, da und dort) gefüttert und die Bienen präventiv vitaminisiert. Kurzum: Der Winter kann kommen!