Haus Zueflucht und seine Gäste:

Gerne möchte ich Ihnen unserer Arbeit mit unseren Gästen, gemeint sind unseren obdachlosen Besucher, näher bringen.

Zuerst stelle ich Ihnen kurz unser Angebot vor. An vier Tagen der Woche haben wir von 9:00 – 16:00 Uhr für Menschen, welche auf der Strasse leben geöffnet. Sie können bei uns in der Notschlafstelle etwas Schlaf finden, die Computer und den Internetzugang nutzen und Kaffee trinken. Ausserdem können Gäste wie auch Bewohner Kleider, welche uns gespendet werden, gratis beziehen. Jeweils am Dienstag und Donnerstag haben Gäste am Morgen die Möglichkeit bei uns zu duschen oder auch ein Bad zu nehmen. Aussergewöhnlich ist unser Angebot, am Dienstagmorgen zusätzlich die Waschmaschinen nutzen zu können. Da es diese Möglichkeit in Zürich kaum gibt, wird diese auch rege genutzt. Alle diese Möglichkeiten bieten wir gratis an, unser Konzept beinhaltet jedoch, dass die Gäste lernen, sich auch am Putzen und Aufräumen zu beteiligen.

Dienstag ist durch das „Wasch-Angebot“ der Tag, an welchem die meisten Gäste hier im Haus sind.

Es kommt oft vor, dass wenn ich am Dienstagmorgen ans Haus Zueflucht komme, mich schon 10 Leute begrüssen. Zum einen ein sehr schönes Gefühl, diesen Menschen zu ermöglichen, dass sie saubere Kleidung und eine Dusche bekommen, zum anderen ein strenger Tag. Jeder möchte zuerst duschen, Kleider waschen, beides oder einfach nur ein neues T-Shirt.

Man muss verstehen, wenn man nichts hat, ist alles andere viel. Man lernt für sich zu schauen und sein eigenes Überleben zu sichern. Trotzdem für uns vom Team immer wieder eine Herausforderung, allen gerecht zu werden. Dadurch, dass diese Menschen gelernt haben, sich durchzukämpfen kann es auch mal vorkommen, dass sie aus Verzweiflung laut werden. Ab und zu erinnert mich die Arbeit mit unseren Gästen etwas an Kinderbetreuung. Sie sind laut, werden wütend, wenn sie ihren Willen nicht bekommen und versuchen mit viel Geschickt und Tricks an ihr Ziel zu kommen. Es kommt auch hin und wieder vor, dass wir die Polizei rufen oder ein Hausverbot verhängen müssen, zum Wohlbefinden und Schutz der restlichen Gäste und unseren Bewohnern. Trotzdem setzen wir vom Haus Zueflucht darauf, dem Menschen immer wieder Chancen zu ermöglichen. Im Vergleich zu anderen Organisationen ist ein Hausverbot im Haus Zueflucht oft nur temporär und wir nehmen die Leute immer wieder mit offenen Armen auf.

Nicht zu vergessen sind aber auch die schönen Momente, an denen sich unsere Gäste mit einem warmen Händedruck und einem breiten Lachen für das Essen bedanken und freiwillig helfen die Tische zu putzen oder sich sonst nützlich machen möchten.

Geschichten aus aller Welt:

Als ich eines Tages wirklich entnervt war von einem bestimmten Gast, welcher sich oft schon nicht sehr anständig Verhalten hat, erinnerte ich ihn ungeduldig daran, dass unserer Arbeit nicht selbstverständlich und „nun mal einfach mein Job“ ist und welche Mühe ich mir den ganzen Tag gegeben hatte. Auch erklärte ich ihm, dass wir ja neben ihnen, also den Gästen, auch noch 22 Bewohner haben. Etwas passierte in diesem Moment. Er bot mir eine Zigarette an und wir gingen in den Garten um die Zigarette zu rauchen. Er schaute mich an und sagte: „Ist stressiger Tag, Dienstag?“ Ich war ziemlich verblüfft. Erzählte ihm etwas von unserem Tag und frage ihn nach seinem, wo er hingehen wird am Abend und woher er kommt. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass wir des öfters versuchen mit unseren Gästen in Kontakt zu kommen. Manchmal steht die Sprachbarriere dazwischen und manchmal auch schlichtweg der Zeitdruck. Ich denke, das geht uns allen so im Alltag, wenn wir randständigen Menschen begegnen. Vielleicht haben wir schlechte Erfahrungen gemacht, vielleicht wollen wir nicht mit diesen Menschen sprechen oder haben jetzt gerade keine Zeit. Deshalb möchte ich diese Geschichte hier erzählen. Besagter Gast erzählte mir von seiner Familie. Er wurde kürzlich zum 3. Mal Vater. Hier ist er, um zu arbeiten und seine armutsbetroffene Familie finanziell unterstützen zu können. Es belastet ihn, seine Kinder nicht mehr zu sehen, als alle paar Monate wenn er sich das Ticket nach Hause leistet. Er erzählte mir davon, wie sie als Familien im Park spazieren gingen, seine Tochter jedoch nicht alleine mit ihm mitgehen wollte, da er ihr fremd war. Eigentlich wäre er lieber bei seiner Familie, aber sie seien sehr arm und er könne sie durch seinen Job hier am besten unterstützen. Geld für ein billiges Motel gibt er keines aus. In der Nacht arbeitet er, am Tag kommt er zu uns um ein paar Stunden zu schlafen und eine warme Mahlzeit zu bekommen und dann geht das Ganze von vorne los.

In diesem Moment bekam ich eine kleine Chance das Leben aus seinen Augen zu sehen. Er soll uns im Alltag daran erinnern, dass nichts selbstverständlich ist und wir nicht das Recht haben, anderen Menschen mit Vorurteilen zu begegnen. Ganz egal wie berechtig diese in unseren Augen wirken mögen. Den genau wissen und nachempfinden können wir es nicht.

An dieser Stelle möchte ich mich deshalb bei Ihnen, liebe Spender/in bedanken, dass Sie unsere Arbeit ermöglichen und uns mit ihren Gedanken, Finanzen und Gebeten unterstützen.

 

 Märlimarkt Stein am Rhein

Gerne möchte ich euch einen kleinen Einblick in den Märlimarkt in Stein am Rhein geben. In der Märlistadt sind jeweils an einem Wochenende Soziale Organisationen eingeladen, sich an einem Stand vorzustellen und Sachen zu verkaufen. Das Haus Zueflucht fährt jedes Jahr hin und so hatten wir uns auch dieses Jahr wieder angemeldet. Ich war das erste Mal dabei und freute mich trotz des frühen Aufstehens auf die Weihnachtstimmung und das Beisammensein.

Um 7:20 trafen wir uns vor dem Haus Zueflucht. Von weitem sah ich schon Marta in der Morgendämmerung vor dem Haus warten und mir zuwinken. In den Tagen davor hatten wir alle Sache, die wir mitnehmen wollten, bereitgestellt und schon in unserem Haus-Zueflucht-Bus verstaut. Es kamen diesmal nicht so viele Leute mit, aber in Anbetracht unserer Abfahrtszeit konnte man das etwas vorausahnen.

Die schnuckelige Altstadt von Stein am Rhein war schon weihnachtlich Dekoriert und verbreitete trotz der morgendlichen Kälte festliche Stimmung. Um der Kälte etwas entgegenzuwirken versuchten wir am Anfang in unserer Feure schale das Feuer für die Gassensuppe zu entfachen. Mit dem Resultat, dass wir unsere Nachbarn schon bevor der Markt überhaupt losging, einräucherten. Um den Rauch etwas einzudämmen mussten wir schlussendlich bei unseren Nachbarn etwas Anzündhilfe und Holz kaufen. So kann man sich natürlich auch unterstützen ;) Wir verbrachten den Tag an unserem Stand, genossen das Zusammensein, assen mal eine Gassensuppe und hatten zwischendurch auch mal Zeit die anderen Stände zu begutachten.

In diesem Sinne allen frohe Festtage und en guete Rutsch :)

 Bilder und der Link zum Bericht folgen..