Berichte Dinah


2. Praktikumsbericht

Seit ich bei der Franziskanischen Gassenarbeit als Praktikantin arbeite, habe ich bereits viele spannende Aktivitäten, welche wir für unsere Bewohner anbieten, kennen gelernt. Dazu gehören unter anderem das Imkern mit unseren hauseigenen Bienen, welche unsere Bewohner mit viel Freude und Aufopferung pflegen. Aber auch die Präventionsanlässe, an denen Schulklassen ins Haus kommen und ein Bewohner oder eine Bewohnerin ihnen seine bzw. ihre Geschichte erzählt.

Heute jedoch, möchte ich Ihnen – liebe Leserinnen und Leser – von einer anderen Aktivität erzählen: den Breakouts.

Alle paar Monate wieder veranstaltet die Franziskanische Gassenarbeit ein Breakout für unsere Bewohner, Gäste und Freunde des Haus Zuefluchts. So nennen wir die Ausflüge, welche wir gemeinsam unternehmen. Sei es ein Wochenendtrip in ein Kloster, eine Pilgerreise (siehe dazu Francois Rapport über die Bonifatius-Reise) oder einen Tag im Grünen, wo wir gemeinsam grillieren. Diese Ausflüge sind für unsere Bewohner und Gäste in Not kostenlos und werden durch Spenden finanziert. Sie bringen viel Freude ins Haus, können wir doch an einem solchen Tag einmal völlig entspannt und fern von den Alltagssorgen Zeit miteinander verbringen.

Am 18. September 2017 haben wir eben so ein Breakout veranstaltet. Für die Planung und Organisation des Ausfluges war ich zuständig. Der Ort, wo es hingehen sollte, war rasch gefunden: In unser neues Bienenhaus (ein ehemaliger Schiesstand) mit schönem Aussensitzplatz und einem kleinen Fest-Raum im Inneren. Dieses Bienenhaus haben wir im letzten Jahr als Spende erhalten und fleissig auf Vordermann gebracht. Da war es an der Zeit diesen schönen Ort auch mal offiziell einzuweihen! Dorthin sollte es also gehen zum gemeinsamen Grillieren. Marc, ein gelernter Koch und guter Freund von mir, bot sich – als er von meinen Vorbereitungen hörte – schnell an, das Essen zuzubereiten und den Grillmeister zu geben. Und mit unserem grossen Bus, war auch schnell die Transport-Frage geklärt. Die Bewohner und Gäste wurden in der Zwischenzeit immer wieder auf den bevorstehenden Auslug aufmerksam gemacht, so dass sich schlussendlich eine lange Liste von Interessierten in meinen Händen befand.

So ging es am Montag, der 18. September, freudig los. Die Bewohner und das Fraga-Team packten die vorbereiten Salate und Snacks, die gekauften Getränke und Grillsachen in den Bus und nahmen ihre gute Laune auch gleich mit! Schnell waren wir auf der Autobahn Richtung Thurgau unterwegs. Es wurde viel im Auto diskutiert, über Fussball, Reisen und „Gott& die Welt“.

In Fischingen angekommen, wo sich unser Bienenhaus befindet, folgte gleich das erste, sehr rührende Highlight des Tages. Dort im Wald nebenan haben wir nämlich für unsere kürzlich verstorbene Bewohnerin Jennifer eine kleine Gedenkstätte errichtet. Wir versammelten uns dort, stiessen mit dem Prosecco, welcher die Verstorbene so liebte, auf sie an und es wurden Geschichten und schöne Anekdoten über sie zum erzählt.

 

Gegen Nachmittag räumten wir dann das Bienenhaus und machten uns auf den Heimweg – mit einem kleinen Zwischenstopp im wunderschönen Kloster Fischingen. Unser Kirchen&Kloster-Reiseführer Beno zeigte uns das Kloster und beantwortete unsere Fragen, bevor wir dann alle noch ein Kirchenlied sangen. Was für eine tolle Akustik es dort hatte!

Glücklich und zufrieden kamen wir am Abend in Zürich an und freuten uns noch bei einer Tasse Tee über den erfolgreichen Tag.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Bewohnern, Gästen, Mitarbeitenden und –helfenden für den schönen Ausflug bedanken. Bei so einer tollen Mannschaft organisiere ich liebend gerne wieder einmal ein Breakout! :)

1. Praktikumsbericht

Hallo Zusammen! Mein erster Monat als Praktikantin im Haus Zueflucht neigt sich bereits dem Ende zu. Da will ich endlich die Gelegenheit ergreifen, mich mit diesem Praktikums-Bericht vorzustellen und etwas über meine bisher gemachten Erfahrungen zu erzählen:

Ich bin Dinah, 22-jährig und studiere an der Universität Freiburg im Master „Sozialpolitik“. Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich mich intensiv mit den Themen Sucht und Randständigkeit, oder - wie wir es hier im Haus Zuflucht nennen und mir auch viel besser gefällt – mit „Menschen in spektakulären Lebenssituationen“, beschäftigt. Durch meine Masterarbeit erwuchs in mir der Wunsch einmal in dieses Arbeitsfeld einzutauchen. Durch Beno und Sandra wurde dieser Wunsch wahr: Bei ihnen im Haus Zueflucht darf ich mich vier Monate lang als Praktikantin beweisen.

Als dann Anfangs August der erste Arbeitstag immer näher rückte, war ich – das muss ich gestehen - doch etwas aufgeregt. Wie würde es mir wohl im Haus Zueflucht ergehen? Was würde ich dort so erleben? Würde ich mit unseren Bewohnern und den Gästen einen guten Draht finden? Würde ich mit allem Positiven aber auch den schwierigen Seiten unserer Arbeit umgehen können?

Voller Vorfreude aber auch mit einem etwas mulmigen Gefühl marschierte ich an meinem ersten Arbeitstag zur Fabrikstrasse 28, wo mein neuer Arbeitsort, das Haus Zueflucht, liegt. Doch schon von weitem sah ich – OH SCHRECK -, dass ein Polizei-Auto vor dem Eingang des Hauses stand. Daneben: zwei Polizisten in Uniform und mein Chef Beno, der wild gestikulierend den zwei Gesetzeshütern etwas zu erklären versuchte. Uuiuiui das fängt ja gut an, dachte ich mir. Als ich näher kam rief Beno mir zu: „Dinah, Achtung!“. Und instinktiv duckte ich mich ein wenig. Aber zeitgleich zu Benos zweitem Ausruf bemerkte ich, was die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich gezogen hat. „ACHTUNG ÜBERALL SIND BIENEN!“.

Rund um unseren Müllcontainer schwirrten über einhundert Bienen herum. Es waren also die Bienen, welche die Polizei zur Fabrikstrasse 28 geführt hatten. Besorgte Nachbarn mussten sie gerufen haben. Beno jedoch war ganz cool: „Jaja da können Sie nicht viel tun. Ich weiss aber, wie sich das Problem schnell lösen lässt. Wir kleben einfach den Müllcontainer zu. In dem befinden sich nämlich leere Bienenwaben, welche die Bienen angezogen haben. Kommen sie nicht mehr an die Honigresten, fliegen sie von alleine wieder weg“ meinte er zu den zwei Polizisten. Ohne Berührungsängste aber mit viel Sorgfalt, sodass den Bienen nichts geschieht, klebte Beno alsdann den Müllcontainer zu. Uns siehe da: Zwei, drei Stunden später war das Problem gelöst.

Aus dieser beispielhaften Episode lassen sich drei Dinge ableiten, welche ich in meinem ersten Monat im Haus Zueflucht gelernt habe:

 

  1. Spontanität

Unsere Arbeit im Haus Zueflucht ist geprägt von grosser Flexibiltät und Spontanität. Ein sauber geplanter Terminkalender, in dem festgehalten ist wann man was erledigen möchte, wird wohl nie erfolgreich abgearbeitet werden. Denn immer wieder kommt etwas dazwischen – eine Bitte von einem Gast in Not, oder eine Anfrage von einem Bewohner oder eben ein Müllcontainer voller Bienen – auf die es zu reagieren gilt. Hat man sich einmal daran gewöhnt, ist das jedoch auch sehr schön: So hat man immer etwas zu tun und abwechslungsreich sind die Tage im Haus Zueflucht dadurch auf jeden Fall!

 

  1. Einfallsreichtum

Wie bei den Bienen im Container ersichtlich wurde, ist Einfallsreichtum eine Eigenschaft, die man als Mitarbeiter im Haus Zueflucht braucht. Denn – wie eigentlich in jedem Betrieb – sind unsere Ressourcen begrenzt: Sei es die Zeit oder auch finanzielle Ressourcen: Man muss halt improvisieren. Ein Parade-Beispiel hierfür ist auch unsere liebe Köchin und gute Seele des Hauses M., welche aus den Lebensmitteln der Schweizer-Tafel wunderbare Mahlzeiten zaubert. Und wenn dann plötzlich doch viel mehr Gäste zum Mittagessen kommen und das vorbereitete Mahl kaum reicht, dann wird halt improvisiert und schnell noch ein paar belegte Brötchen hingezaubert, damit alle Mägen gefüllt werden.

 

  1. Die Bienen und das Haus Zueflucht

Auch wenn unsere eigenen Bienen natürlich nicht im Kreis 5 leben, lernte ich schnell, dass die Bienen zu unserem Haus gehören. Egal, ob es darum geht die Bienen zu füttern, Honig zu imkern oder den Honig in Gläser abzufüllen und zu verpacken – immer finden sich einige Bewohner, die gerne mithelfen. Ein paar von ihnen sind sogar schon richtige Imker-Experten: So konnte ich viel über die Bienen und das Imkern in Gesprächen mit ihnen erfahren. Gleichsam ist die Arbeit unserer Bewohner mit den Bienen von unbezahlbarem Wert für unsere Gesellschaft und unser Ökosystem: Gerade heute, wo die Bienen von Varroa-Parasiten bedroht sind, leisten unsere Bewohner durch die Betreuung unserer Bienenstöcke einen unbezahlbaren Dienst an unserer Umwelt und geben dadurch auch unserer Gesellschaft etwas zurück. Eine wunderschöne und sinnvolle Arbeit also, bei der sie von unserem Team begleitet werden, auch wenn sie hie und da mal sticht!